Mitgefühl erinnert uns daran, dass wir füreinander nicht gleichgültig sind
„Fähig zu fühlen sind wir, solange Mitleid in uns lebt.“
An der Bushaltestelle stand ein alter Mann, sein Mantel zu dünn für die Kälte, seine Hände zitterten. Ein kalter Wind strich über die Straße. Die Leute um ihn herum sahen weg, hasteten weiter, als ginge es sie nichts an.
Eine Frau neben ihm bemerkte, wie er versuchte, mit Münzen das Ticket zu bezahlen, doch der Automat schluckte sie immer wieder. Für einen Augenblick überlegte sie, selbst einzugreifen, doch sie wusste, sie konnte ihm nicht wirklich helfen – sie hatte selbst kaum Geld und kein warmes Kleidungsstück mehr übrig.
Doch sie blieb stehen, sah ihn an, nickte ihm freundlich zu und suchte nach Worten. In diesem Moment merkte sie, wie tief das Gefühl in ihr war – ein Schmerz, weil sie sein Leid spürte. Sie konnte es nicht nehmen, aber sie konnte ehrlich bei sich bleiben: Sie war nicht abgestumpft, nicht gleichgültig.
Ihr Mitleid war keine Tat, aber ein Zeichen dafür, dass in ihr noch Menschlichkeit lebte.
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Aus dem Buch „Selbstfürsorge in kleinen Momenten“